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Mahn- und Gedenkstätte KZ-Außenlager Buchenwald

In der Zeit vom 06. April 1944 bis zum 29. Januar 1945 existierte im damaligen
Reichsbahnausbesserungswerk Schwerte - Ost eine Außenstelle des Konzentrationslagers Buchenwald.
Die baulichen Überreste des Außenlagers wurden im Jahr 1985 unter Denkmalschutz gestellt. Auf einer unbebauten Teilfläche des ehemaligen Außenlagers in der Größe von 650 Quadratmetern wurde 1989 auf Initiative des städtischen Kulturamtes eine Gedenkstätte errichtet. Für die künstlerische Gestaltung der Gedenkstätte konnte der Bildhauer Horst Wegener gewonnen werden.

Seit 1989 finden alljährlich auf diesem Gelände Gedenkfeiern (08. Mai) statt.

Adresse der Gedenkstätte:
ehem. Eisenbahnausbesserungswerk
Emil - Rohrmann - Straße
58239 Schwerte

 

Skulptur des Bildhauers Horst Wegener in der Mahn- und Gedenkstätte KZ-Außenlager Buchenwald


Gedenkfeier 2021

Da wie im vergangenen Jahr wegen der Corona - Pandemie leider keine Präsenzveranstaltung an der Gedenkstätte möglich ist, hat die Schwerter Theatergruppe STUDIO 7 Theaterwerkstatt für aktive Kultur e.V. ein Konzept für eine online Gedenkfeier per Stream entwickelt.

Kranzniederlegung und Rede - Beiträge an der Gedenkstätte werden gefilmt und sind Teil des künstlerischen Gesamtwerkes, welches Sie sich hier ab dem 08.05.21 (17.00 Uhr) anschauen können.  


Lesen Sie hier die Rede - Beiträge zum Gedenken Beendigung 2. Weltkrieg und Befreiung vom Nationalsozialismus von Bürgermeister Dimitrios Axourgos und Pfarrer i.R. Fritz - Günter Held als Vertreter der Schwerter Friedensinitiative.


Bürgermeister Dimitrios Axourgos

Verehrte Bürgerinnen und Bürger der Stadt Schwerte,
heute vor 76 Jahren endete der Zweite Weltkrieg. Mit der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht wurde ein Schlussstrich gezogen unter das millionenfache Blutvergießen einer grausamen militärischen Auseinandersetzung, die mit dem Überfall Deutschlands auf Polen ausgelöst wurde. Das Deutsche Reich hat sich beispielloser Menschheitsverbrechen schuldig gemacht, allen voran der systematischen Vernichtung von sechs Millionen Juden. Gefühle von Scham beschrieben die Menschen schon vor 76 Jahren und begleiten sie seitdem bis in die Gegenwart hinein. „Allgegenwärtig bleibt der Nationalsozialismus als psychisches Problem der deutschen Gesellschaft auch noch lange nach Hitler“, schreibt der Historiker Wolfgang Benz in einem Beitrag unter dem Titel „Zwischen Amnesie und Erinnerungskultur“.

Erinnerungskultur gehört in unserer Stadt schon lange Jahre zum Einsatz für Demokratie und ihren Grundwerten. Der Kultur- und Weiterbildungsbetrieb der Stadt Schwerte ist Träger dieser Erinnerungskultur, die regelmäßig an dieser historischen Stelle einen wichtigen, gesellschaftlichen Beitrag leistet. Ich bin allen Menschen hier in Schwerte sehr dankbar, die hartnäckig das Erinnern bemühen, um so der Zukunft eine Chance zu geben. Ich halte es auch für ausgesprochen wichtig, dass unsere Jugend gute Möglichkeiten erhält, sich über Projektarbeiten und Besuchen von Gedenkstätten mit dieser Vergangenheit auseinandersetzen. Wenn es darum geht, Anfängen zu wehren, müssen wir die Jugend in unsere Vergangenheitsbewältigung einbeziehen.

Das Lager hier in Schwerte-Ost war nur eines von 137 Außenposten des KZ Buchenwalds. Es erinnert an die Ausbeutungs- und Vernichtungsmaschinerie, die die Nazis errichtet haben. Und so ist der 8. Mai nicht nur der Tag der Befreiung, sondern auch ein Anlass, Entwicklungen kritisch zu analysieren und auf eine Zukunft hinzuarbeiten, die frei ist von Kriegen, Machtgier und Unterdrückung. Die Erinnerung wird zur Mahnung, der wir uns nicht verschließen dürfen. Niemals darf das Unrecht an anderen minder bewerten werden als das Unrecht, das einem selbst widerfahren ist.

Der 8. Mai ist deshalb Jahr für Jahr ein Anlass, den Einfluss menschenfeindlicher Ideologien einzuschränken. Dafür alles zu tun, ist unsere gemeinsame Aufgabe. Wir dürfen es nicht zulassen, dass Menschen Mitmenschen oberflächlich kategorisieren, aussortieren oder ihre Herkunft zum Anlass nehmen, sie abzuwerten. Unrecht darf niemals unwidersprochen bleiben. Den Friedensgedanken müssen die Menschen in ihrem Herzen tragen, um die Botschaft von Gleichheit, Mitgefühl, des friedlichen Miteinanders mit Nachbar*innen, Kolleg*innen und Mitbürger*innen auf fruchtbaren Boden fallen zu lassen.

In diesem Zusammenhang möchte in an den ehemaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker erinnern, der 1985 eine bemerkenswerte Rede gehalten hat und darin mahnte: „Erinnern heißt, eines Geschehens so ehrlich und rein zu gedenken, dass es zu einem Teil des eigenen Innern wird. Das stellt große Herausforderungen an unsere Wahrhaftigkeit“.

Mit diesen Worten möchte ich schließen und gedenke aller, die für uns ihr Leben ließen und die uns auf ewig in unseren Herzen begleiten.

Hier können Sie die Rede herunterladen


Fritz - Günter Held, Schwerter Friedensinitiative
8. Mai - Befreiung von Rassenlehre und Untermenschentum

Mit dem 8. Mai wurde die systematische Erniedrigung, Enteignung und Versklavung von Menschen wegen der zugewiesenen „Rasse“ oder wegen einer politischer Anschauung beendet. Der 8.Mai ist der Tag der Befreiung Deutschlands von einer Allianz aus Großindustrie, Banken und Versicherungen, die die Nazi-Diktatur mit sehr viel Geld errichteten. Ihre millionenschwere Adolf-Hitler-Spende hielt das Nazi-Herrenmenschentum mit dem Anspruch auf Lebensraum im Osten und auf Kolonien weltweit aufrecht bis zur Kapitulation 1945.

Mit dem 8. Mai wurde Deutschland befreit von der Verpflichtung zu unmenschlichem Rassenhass: die Rassenlehre war an Schulen Unterrichtsfach. Den Schülerinnen und Schülern wurde als Alltagsgruß beigebracht: „Juda verrecke!“. Eine „rassische Aufartung“ sollte erfolgen durch Sterilisation. Das unauffällige Plus-Zeichen in der Krankenakte von Kindern gab sie der Euthanasie preis.

Am 7. April 1933 wurde das Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums erlassen, - ein Unrechtsgesetz als Deckmantel für die Entfernung von sogenannten „jüdischen“ Menschen und von politisch Andersdenkenden aus dem öffentlichen Dienst. In Deutschland verloren ihre Arbeitsplätze bis zum April 1934:
hunderte Hochschullehrerinnen und Hochschullehrer, über 4000 Juristinnen und Juristen, über 300 Medizinerinnen und Mediziner, über 2000 Staatsbeamtinnen und Beamten und über 2000 Schauspielerinnen und Schauspieler, Musikerinnen und Musiker.

Bestens ausgebildete Juristen wie Dr. Hans Josef Maria Globke arbeiteten die Rassengesetzgebung aus. Sie sorgten für Kenntlichmachung und behördlicher Erfassung. Und trotz der Mitautorenschaft Hans Globkes am höchst präzisen Kommentar zu den Rassengesetzen gehörte er als „graue Eminenz“ später zum allerengsten Adenauerkreis in der Bundesrepublik Deutschland.

Seit den Nürnberger Rassengesetzen im September 1935 dienten Ariernachweise der Ausgrenzung von „Nichtariern“. Dazu heißt es erklärend im Ariernachweis der Standesbeamten:

„Arischer Abstammung (=“deutschblütig“) ist demnach derjenige Mensch, der frei von einem, vom deutschen Volke aus gesehen, fremdrassigen Bluteinschlage ist. Als fremd gilt hier vor allem das Blut der auch im europäischen Siedlungsraume lebenden Juden und Zigeuner, das der asiatischen und afrikanischen Rassen und der Ureinwohner Australiens und Amerikas (Indianer), während z.B. ein Engländer …, wenn er selbst frei von solchen, auch ihm fremden Bluteinschlägen ist, als verwandt, also als arisch gelten muss … Dass uns dabei z.B. für eine Eheschließung der deutsche Volksgenosse, das Mädchen r e i n deutscher Abstammung näher steht als ein anderer Arier entfernterer Rasseverwandtschaft, ist selbstverständlich.“

Der Ariernachweis entschied über Leben und Tod: sogenannte „Juden“ und „Zigeuner“ haben die Nazis verwaltungsgesteuert und planmäßig ab Juni 1941 ghettoisiert, deportiert und ab dem 20. Januar 1942 in Industrieanlagen des Todes vernichtet als Endlösung.

Ariernachweise wurden auf immer mehr Berufsgruppen ausgedehnt und wurden gefordert für Vereins-Mitgliedschaften, für Darlehen, Kinderbeihilfen und beim Erwerb des Sportabzeichens. Die Kirchen waren durch Offenlegung der Daten aus den Kirchenbüchern vielfach willige Gehilfen der Nazi-Verwaltungen.

Die Rassenideologie der Nazis führte zum Herrenmenschendenken und zum erbarmungslosen Kampf um den Lebensraum im Osten, zur gezielten Vernichtung von „slawischen, jüdischen und kommunistischen Untermenschen“. Zugleich wurden Raub und Ausbeutung nach Afrika und Asien getragen, um dort die Ausplünderung der „minderwertigen“ Rassen fortsetzen zu können. Willkürherrschaft und Zweiter Weltkrieg forderten über 60 Millionen Opfer.

Unser Grundgesetz Artikel 3 Abs. 3 verhindert das Dulden einer Herrenmenschenideologie und das Aussortieren von Untermenschen.

Abstammungs- und Rassenlehre, Sexismus und die systematische Benachteiligung von Menschen sind nach dem entsetzlichen Nazi-Terror in Staat und Wirtschaft mit dem Neubeginn am 8. Mai nicht vereinbar!

Hier können Sie die Rede herunterladen


Pop-Up-Ausstellung & Werkstattraum

Begleitend findet sich im Wuckenhof eine Ausstellung mit Bildern von Jürgen Spiler aus dem Bestand des KuWeBe und Materialien aus der Geschichte der Friedensbewegung. Informationen und digitale Einblicke auf www.derwuckenhof.de.



Gedenkstätte Synagoge Schwerte

Nach umfangreichen Umbauarbeiten wurde am 1. September 1854 das ehemalige Wohnhaus Große Marktstraße 9 zu einer Synagoge umgewidmet.  Im Jahr 1928 fand auf der Basis eines Entwurfs des Schwerter Architekten BDA Carl H.J. Schmitz ein Umbau der Synagoge statt. Nach dem Brandanschlag am 9. November 1938 wurde das Gebäude nie wieder als Synagoge genutzt. Seit dem Jahr 1983 stehen nur noch die Grundmauern des Gebäudes.

Im Jahr 1993 wurde ein bundesweiter Wettbewerb zur Errichtung einer Denkstätte auf dem Gelände der ehemaligen Synagoge Schwerte ausgeschrieben. Aus über 300 Wettbewerbsarbeiten wählte eine hochkarätig besetzte Jury den Entwurf von Klaus Martin und Andreas Madlowski aus Hannover zum ersten Preisträger.  Der Entwurf sah nur schlichte und einfühlsame gestalterische Veränderungen der noch verbliebenen baulichen Reste der ehemaligen Synagoge vor.

Die auf dem Fundament des Hauses angebrachte Gedenktafel enthält folgende Inschrift:

„Hier stand die Synagoge der jüdischen Gemeinde in Schwerte. Am 9.November 1938 wurde sie von Nationalsozialisten verwüstet und in Brand gesteckt.“

Ein an den Grundmauern des Hauses befestigtes Fries weist die Namen der in der NS-Zeit deportierten, ermordeten und unbekannt verschollenen jüdischen Mitbürger Schwertes auf.

Alljährlich am 9. November findet in Erinnerung an die Reichspogromnacht auf Einladung der Kirchengemeinden, von Pax Christi eine Gedenkfeier an der Gedenkstätte Synagoge Schwerte statt.

 


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